Ökokiste

Nachhaltig verpacken: Mehrweg spart Müll

 

Wer an seinen vergangenen Einkauf im Supermarkt denkt, weiß, wie viel Müll bei der Verpackung von Obst und Gemüse entsteht. Meist sind es Plastikfolien, Netze oder Schalen, die zuhause ohne weitere Nutzung entsorgt werden. Im Jahr 2019 entstanden dadurch laut Naturschutzbund über 100.000 Tonnen Verpackungsmüll, bestehend überwiegend aus Kunststoff sowie Papier, Pappe und Karton. Diese Einweg-Plastik-Wegwerf-Kultur ist nicht mit unserem Anspruch an Umweltschutz und Nachhaltigkeit vereinbar.

Weniger ist mehr

Wir möchten die gesamte Ökobilanz unserer Waren nachhaltig gestalten. Unser Ziel ist es, so verpackungsarm und plastiksparend wie möglich zu wirtschaften. Mehrwegsysteme haben bei uns deshalb Vorrang. Ein Grundbaustein unserer schlauen Verpackungskonzepte ist die grüne Mehrwegkiste, in denen wir schon seit vielen Jahren unsere Bio-Produkte ausliefern. Dazu kommen weitere Pfandverpackungen wie Joghurtgläser und Milchflaschen, die im Gegensatz zu Getränkekartons und Einwegbechern eingesammelt und weiterverwendet werden können.

Und: Wir nehmen bei der Lieferung die Pfandverpackungen von der Vorwoche gern wieder mit, vom Joghurtglas bis zur Getränkekiste. Bei frischem Obst und Gemüse setzen wir wo nötig auf weiteren Schutz, damit unsere Produkte bei Euch ohne Makel, Schmutz oder Druckstellen ankommen.

Selbst wer beim Einkauf im Supermarkt auf Bio achtet muss hinterher große Mengen Plastik und weiteren Müll entsorgen. 

Viele unserer Betriebe nutzen dazu das Tütle-Inlay. Der Einleger besteht aus einhundert Prozent kompostierbarem und ungebleichtem Spezialpapier, hält Nässe ab und wird CO2-neutral hergestellt. Bei kleinteiliger Ware werden die einzelnen Biokisten-Lieferbetriebe kreativ: Einige haben Mehrwegschälchen aus Altpapier, Holzschliff oder recyclingfähigem Polypropylen entwickelt, um zum Beispiel empfindliche Cocktailtomaten oder Beeren unbeschadet an ihre Kund*innen zu liefern. Viele dieser Verpackungen können zurückgegeben und wiederverwendet werden. Die Ressourcen bleiben im Umlauf. Wo kein Pfandsystem möglich ist, setzen wir auf Beutel und Tüten aus hundert Prozent Recyclingpapier. So sind Trauben, Blattgemüse oder Kräuter bestmöglich vor Austrocknung oder auch Frost geschützt.

Plastikarme Wertschöpfungskette

Durch unser Mehrwegsystem schonen wir die Umwelt und sparen wertvolle Ressourcen ein. Das häufige Wiederverwenden verhindert ständige Neuproduktionen, spart Müll und Energie und vermindert den Rohstoffverbrauch. Doch spricht man von Verpackung, muss die gesamte Wertschöpfungskette mitgedacht werden. Wir achten nicht nur bei uns auf eine plastikarme Lieferung, sondern beziehen die gesamte Wertschöpfungskette ein. Denn bevor die Produkte bei Euch ankommen, gelangen sie vom Feld in die Packhalle oder vom Bio-Betrieb zum Bio-Großhandel.

Um auch bei diesen Prozessen möglichst viel Müll zu vermeiden, kommen beim Transport wo möglich Spanngurte statt Einwegfolien zum Einsatz. Statt einzelnen Kartons nutzen wir am liebsten Mehrwegboxen. Kann der Gebrauch von größeren Kartonagen nicht vermieden werden, landet das Material noch lange nicht in der Tonne. Die Kartons werden häufig perforiert und schützen als Füllmaterial oder Ummantelung Flaschen und Gläser.

Neben den Papiertüten nutzen einige Betriebe vermehrt Beutel aus kompostierbarer Zellulose. Diese sind ebenso feuchtigkeitsresistent und lösen sich nicht auf. Die Verpackung ist so robust, dass Feldsalat und Spinat sowie feuchtes Obst und Gemüse sicher verpackt sind. Das atmungsaktive Material hält den Inhalt zudem länger frisch.

Bilder: Verband Ökokiste e.V. Flotte Karotte / Lotta Karotta Bio-Lieferservice

“Real costs”: Wie teuer ist Bio wirklich?

 

«Kann ich mir nicht leisten» – so die Bedenken Vieler momentan, wenn es um Bio geht. Vergleichen wir jedoch den „wahren“ Preis von Lebensmitteln, kommen uns billige Produkte aus dem Discounter sowohl als Einzelperson aber auch gesamtgesellschaftlich am Ende deutlich teurer zu stehen. 

Die Inflation drückt die Stimmung in der Biobranche. Verfestigt sich dieser Trend, sind die Folgen für den geplanten Ausbau des Biolandbaus und für die Umwelt fatal. Denn tatsächlich werden die Folgekosten einer günstigen Ernährung nicht an der Supermarktkasse gezahlt, sondern kommen in der Gesamtbilanz der Allgemeinheit teuer zu stehen. So kompensieren wir alle finanziell und gesundheitlich die Folgen z. B. von nitrat- und pestizidverunreinigtem Grundwasser, von Bodenerosion und Hochwasserereignissen, Treibhausgasemissionen und dem Verlust von bestäubenden Insekten. Und weil die «externen» Kosten nicht im Produktpreis enthalten sind, werden unsere umweltschädigenden Konsum- und Produktionsmuster auch noch gefördert. Wirtschaftlich findet nicht zuletzt eine Verteilung von unten nach oben statt – denn die Agrokonzerne sowie große Discounterketten tragen letztlich den größten Teil der Gewinne davon.

Gründe für den Preisunterschied

Sicher ist: die hohen Folgekosten von viel zu billig (u.a. mithilfe von einem viel zu hohen Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide) produzierten Nahrungsmitteln, ist eine desaströse Fehlentwicklung, die einer politischen Nachregulierung am gesamten System bedarf. Bis diese greift, müssen wir uns mit den Fakten auseinandersetzen: Biolebensmittel kosten heute immer noch meist (etwas) mehr als herkömmliche Produkte. Die Ursachen sind höhere Produktionskosten durch arbeits- und platzaufwändigere Verfahren beim Pflanzenbau und in der Tierhaltung, dazu häufig geringere Erträge und eine oft zeit- und kostenintensivere Verarbeitung. Auch durch meist niedrigere Verarbeitungsmengen sind die Stückkosten höher. Dazu kommen die Kosten für die umfassende Kontrolle der Bio-Richtlinien, die sich ebenfalls im Preis von Bioprodukten wiederfinden (BÖLW, 2012[1]).

Je nachdem, um welche Produkte es sich handelt, ist der Mehrpreis für Bioprodukte jedoch sehr unterschiedlich und teilweise sogar nur gering. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn man ein Bioprodukt mit einem entsprechenden Markenprodukt vergleicht. Auch ist die Preisspanne gering, wenn man Lebensmittel aus saisonalem und regionalem Bioanbau bzw. entsprechend konventioneller Erzeugung miteinander vergleicht.

Das Rechenmodell

Um die Mär von «Bio ist für mich zu teuer» konkret zu entschärfen, ist die Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) (Schlatzer und Lindenthal, 2019[2]) aufschlussreich. Sie zeigt nämlich, dass der Bio-Einkauf gar nicht viel teurer sein muss, als zu konventionellen Produkten zu greifen.

So wurde in einer Untersuchung der durchschnittliche Wocheneinkauf für eine vierköpfige Familie in Österreich nach verschiedenen Einkaufsvarianten berechnet und miteinander verglichen. Es wurde deutlich, dass sich der Umstieg des Einkaufsverhaltens hin zu einem Warenkorb mit gesünderen Nahrungsmitteln, d.h. deutlich weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse, weniger Softdrinks etc. in der Summe preislich kaum niederschlug. Im Gegenteil – durch den Umstieg auf eine gesunde Ernährung könnte eine Familie in einer Woche am Ende einen Geldbetrag sparen, der ihnen ermöglichen würde, einen Anteil von mehr als zwei Dritteln ihrer gesamten Lebensmittel aus biologischer Erzeugung einzukaufen.

Zugegeben – seine Ernährungsgewohnheiten dauerhaft zu ändern, ist nicht leicht. Doch blicken wir auf die Herausforderungen wie Klimawandel oder das Artensterben, ist ein verändertes Konsumverhalten im Grunde unumgänglich. Je schneller es uns jetzt noch gelingt, den Wandel selbstinitiativ voranzutreiben, umso weniger drastisch werden am Ende die Konsequenzen sein, die ansonsten nicht mehr verhandelbar sind.

Eine der wichtigsten Anpassungen, die jede und jeder vornehmen kann, ist beispielsweise die Verringerung seines Konsums von Wurst und Fleisch. So haben die Wissenschaftler*innen der bereits genannten Studie errechnet, dass bei einer Veränderung hin zu gesünderer Ernährung mit u.a. einer Reduktion von Fleisch von jährlich derzeit im Schnitt 65 kg/Person auf ca. 20 kg/Person pro Jahr eine vierköpfige Modellfamilie etwa 40 % der ernährungsbedingten Treibhausgase einsparen könnte. Im Grunde eine gute Nachricht, zeigt es doch das enorme Potenzial von Maßnahmen, die wir selbst in der Hand haben.[3]

Besonnenheit und Weitblick nötig

Konventionelle Lebensmittel und eine ungesunde Ernährung sind im Verhältnis viel zu billig. Notwendig ist es, dass nachhaltig produzierte und gesunde Lebensmittel für alle bezahlbar sind. Noch kurz vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine war dieses Bewusstsein bei vielen Menschen gewachsen und in Zeiten der Pandemie entschied sich eine wachsende Zahl von Bürger*innen für den Kauf von Biolebensmitteln. Angesichts der weiteren existenziellen Krisen wie Klimawandel und Artensterben dürfen wir nicht zuschauen, wie sich dieser positive Trend nun wieder in sein Gegenteil verkehrt. Statt reflexhafter, rückwärtsgewandter Schnellschüsse (wie z.B. die Idee, Naturschutzgebiete für die – freilich konventionelle – Landwirtschaft umzuwidmen[4]) braucht es mehr denn je Besonnenheit und Weitblick für langfristig sinnvolles Gegensteuern.

Letztlich kann der Wandel  nicht von Einzelpersonen getragen werden; zuallererst ist die Politik gefragt, die bestehenden Wettbewerbsnachteile ökologischer Nahrungsmittelerzeugung auch und gerade in Krisenzeiten auszugleichen. Ein wesentlicher Baustein wäre hierbei u.a. die Einführung einer Pestizid-Abgabe, die den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft mit finanzieren kann. Auch müssen die Zulassungsverfahren von chemisch-synthetischen Pestiziden wesentlich verbessert werden.

Diese und viele weitere gute Ideen[6] sind seit Jahren auf dem Tisch, es gilt mehr denn je, sie endlich umzusetzen. Bevor es zu spät ist – für uns, aber vor allem für unsere Enkelinnen und Enkel.

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Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit vom Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft e.V. und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau Österreich (www.FibL.org)

[1] BÖLW (Hrsg.) (2012): 28 Antworten zum Stand des Wissens rund um Ökolandbau und Bio-Lebensmittel. Abrufbar unter http://ernaehrungsdenkwerkstatt.de/fileadmin/user_upload/EDWText/TextElemente/Ernaehrungsoekologie/OEkolebensmittel_28-bioargumente_BOELW_Broschuere.pdf (zuletzt abgerufen am 1.7.2022)

[2] Schlatzer, M. und Lindenthal, T. (2019): Bio, gesund und leistbar – geht das? Auswirkungen eines geänderten Einkaufverhaltens auf Kosten und Klimawandel. FiBL im Auftrag von WWF Österreich. Abrufbar unter: https://www.wwf.at/wp-content/cms_documents/warenkorbstudie_final_-januar-2019.pdf. Zuletzt abgerufen am 21.06.2022.

[3] Die Zahlen können aufgrund unterschiedlicher Lebensmittel-Preisniveaus in Österreich und Deutschland nicht eins zu eins auf den dt. Wocheneinkauf umgelegt werden; so lag das Preisniveau für Lebensmittel im Vergleich zum EU Durchschnitt in Österreich 2019 bei 124 %, in Deutschland bei 101 % (Eurostat, 2019[3]). Das Ergebnis bleibt: der Bioeinkauf ist nicht zwangsläufig teurer, als der Gang zum Discounter.

[4] In einem Maßnahmenplan vom 23.03.2022 schlug die EU-Kommission zur Gewährleistung der Ernährungssicherheit die uneingeschränkte Freigabe von Öko-Vorrangflächen für den Lebensmittelanbau vor. Dies würde auch den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden auf diesen Flächen ermöglichen, die eigentlich der Förderung von Biodiversität und Umwelt dienen, s. https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-7426-2022-INIT/en/pdf (abgerufen am 04.07.2022)

[5] Aus «Der Preis ist vielen wichtiger als Bio» SZ vom 30.06.2022 mit Zahlen des Marktforschungsinstituts GfK, s. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/alnatura-utopia-lebensmittelpreis-inflation-bio-lebensmittel-landwirtschaft-agrarwende-1.5612620 (abgerufen am 04.07.2022)

[6] Siehe z.B. im Forderungskatalog der aktuellen Unterschriftenkampagne des „Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft e.V.“ an den dt. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir unter www.enkeltauglich.bio/ackergifteneindanke

Bilder: Verband Ökokiste e.V. 

Vorurteile? Biologisch abbaubar!

 
Immer wieder haben wir es mit Meinungen, Ängsten und Vorurteilen in Sachen „Bio“ zu tun, zu denen wir gern Stellung beziehen. Wir haben mal gesammelt.

 

Bio-Lebensmittel sind nicht gesünder!

Bio-Lebensmittel enthalten deutlich weniger Rückstände und Schadstoffe als konventionelle Produkte. Das ergibt das Ökomonitoring des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes in Stuttgart, das jährlich ökologisch erzeugte Lebensmittel systematisch auf Rückstande und Kontaminationen überprüft.[1]

Demnach enthält ökologisches Obst und Gemüse mit durchschnittlich 0,002 mg/kg sehr wenig Pestizidrückstände. Bei konventionellem Gemüse liegt der Wert bei 0,4, konventionell erzeugtes Obst fällt mit 0,48 sogar noch höher aus.[2]

Es zeigt sich deutlich: Bio-Produkte enthalten nachweisbar weniger unerwünschte Stoffe. Woran liegt das? Die Bio-Landwirtschaft kommt ohne chemische Substanzen aus und wirkt sich weniger schädlich auf die Umwelt aus. Somit lässt sich der komplette Ökolandbau als besser beschreiben – für Mensch und Tier. Lest dazu auch den Beitrag Öko-Boden: Da ist Leben drin!

[1] Ökomonitoring Baden-Württemberg, https://oekomonitoring.ua-bw.de/start.html

[2] Ökomonitoring 2021, https://www.untersuchungsaemter-bw.de/pdf/oekomonitoring2021_langfassung.pdf

 

Das kontrolliert doch keiner!

Doch, und zwar öfter als in konventionellen Betrieben. Mindestens einmal jährlich werden alle Bio-Höfe und Bio-Unternehmen zusätzlich zur allgemeinen Lebensmittelüberwachung kontrolliert. Auf der Grundlage der EU-Öko-Verordnung wird dabei vom Acker bis zur Ladentheke alles überprüft – nicht nur das Endprodukt, sondern der gesamte Produktionsprozess.

Verantwortlich dafür ist ein staatlich überwachtes Kontrollsystem. Regelmäßige stichprobenartige Prüfungen sorgen für eine konsequente Einhaltung der Richtlinien. Die Bio-Betriebe müssen unter anderem nachweisen, dass sie auf ihren Ökoflächen keine chemisch-synthetischen Pestizide einsetzen und die Äcker auf biologische Weise gesund halten. Bei Milchbetrieben wird beispielsweise überprüft, dass die Kühe ausschließlich Bio-Futter erhalten und genügend Platz zur Verfügung haben. Fehler müssen innerhalb einer vorgegebenen Frist behoben werden.

Konventionelle Betriebe werden weitaus weniger kontrolliert. Die geltenden Regelungen der Kontrollen werden laufend aktualisiert. So könnt Ihr sicher sein: Wo Bio draufsteht, ist wirklich Bio drin. Wir Ökokisten haben übrigens noch weitere Zertifizierungsrichtlinien, die über die Mindeststandards weit hinausgehen.

 

Nicht alle Menschen können sich Bio leisten!

Bio-Produkte machen den Landwirt*innen mehr Arbeit, da für die Erzeugung mehr Aufwand entsteht. Das erhöht den Preis, den wir für ökologische Lebensmittel zahlen. 

Dass sich derzeit nicht alle Menschen Bio-Produkte leisten können, stimmt soweit. Wenn das Geld knapp ist, steht verständlicherweise in erster Linie die Grundversorgung im Vordergrund. Dass diese nicht ausschließlich mit biologischen Lebensmitteln gelingt, ist jedoch der Kernpunkt einer aktuellen Problematik: Biologische Lebensmittel sind nicht einfach zu teuer, konventionell erzeugte Produkte sind schlichtweg zu billig. Denn wenn man die negativen Auswirkungen auf die Umwelt in die Preisgestaltung miteinberechnet, würden alle Produkte insgesamt teurer werden. Das wenig überraschende Ergebnis stammt aus einer Studie der Universität Augsburg.[1] Demnach unterliegt Bio-Fleisch einem Preisanstieg von 107 Prozent und Fleisch aus konventioneller Tierhaltung würde um 285 Prozent teurer werden.

Die Preise würden sich mehr und mehr angleichen. Bezieht man noch mehr Faktoren wie Pflanzenschutzmittel und Bodenerosion mit ein, werden laut der Studie die Biolebensmittel plötzlich sogar zur günstigeren Alternative. Lest hierzu auch den Beitrag Es gibt keinen konventionellen Weg in die Zukunft.

[1] Studie „How much is the dish? Was kosten uns Lebensmittel wirklich?“, http://www.db.zs-intern.de/uploads/1537345607-LangfassungHowmuchisthedish.pdf

 

Den Tieren geht es mit Bio nicht besser!

Wir alle kennen die Bilder von zusammengepferchten Hühnern in überfüllten Käfigen und Mastschweinen in Ställen, in denen sie sich kaum bewegen können. Daher lohnt sich ein Blick auf die Anforderungen an die Tierhaltung, die auf Bio-Bauernhöfen gelten: Vorgeschriebene weitläufige Mindestflächen im Stall, Auslauf im Freien, kleinere Herden und Fütterung ausschließlich mit biologischem Futter. Auf eine präventive Gabe von Antibiotika oder Hormonen wird verzichtet. Puten behalten in der ökologischen Landwirtschaft ihre Schnäbel und Bio-Schweine ihre Schwänze.

Das alles wird mindestens einmal im Jahr von Fachstellen kontrolliert. Kein Vergleich zu konventioneller Massentierhaltung. Den Bio-Bäuer*innen liegt das Tierwohl sehr am Herzen, dafür richten sie die Haltung an den natürlichen Verhaltensweisen ihrer Tiere aus. Wir sprechen hier von „artgerechter Tierhaltung“.

 

Bio rettet doch nicht die Welt!

Die Rettung der Welt wird meist den Superheld*innen überlassen, doch unsere Bio-Landwirt*innen können mithalten. Denn sie tragen einen wichtigen Teil dazu bei, um Ernährungsgrundlagen wie Biodiversität und Ökosysteme aufrechtzuerhalten. Die ökologische Landwirtschaft hat eine günstige Energiebilanz.[1] Zum einen binden Bio-Flächen das klimaschädliche CO2, anstatt das Gas in die Atmosphäre zu entlassen. Zum anderen hilft die Abkehr von der Massentierhaltung, die Klimalast zu verringern.[2]

In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass die konventionelle Landwirtschaft eine Ernährungskrise nicht verhindern kann. Studien beweisen, dass Gegenden, die stark von Lebensmittelknappheit betroffen sind, vom biologischen Landbau extrem profitieren können.[3] Das beweisen unter anderem drei indische Bundesstaaten, die ihre Landwirtschaft komplett auf agrarökologisch umstellen.[4] Die Liste an Punkten, warum Bio besser für das Klima ist, ließe sich endlos fortsetzen. Und was unserem Klima hilft, kommt letztendlich auch uns zugute. Lest dazu auch den Beitrag Ökokiste wirtschaftet klimafreundlich.

[1] BOELW, https://www.boelw.de/news/ist-bio-klimafreundlich/

[2] BOELW, https://www.boelw.de/news/ist-bio-klimafreundlich/

[3] Studie: Diversification practices reduce organic to conventional yield gap, 2015, https://doi.org/10.1098/rspb.2014.1396

[4] UN Environment Programme, https://www.unep.org/news-and-stories/press-release/andhra-pradesh-become-indias-first-zero-budget-natural-farming-state

Bilder: Verband Ökokiste e.V. / Lotta Karotta Bio-Lieferservice / Hofbauernhof

Bio-Salat: Sommer ist Salatzeit!

Im Sommer ist ein frischer Bio-Salat sehr lecker und gesund, zudem versorgt er uns mit wichtigen Nährstoffen und Vitaminen.

Salat schafft im Sommer den Sprung von der Nebenrolle zum alleinigen Star am Tisch. Gerade wenn es draußen warm ist, kommt öfter Salat auf den Teller. Der ist ein echter Allrounder und gleichzeitig gut für den Körper – oder? Wie gesund ein Salat wirklich ist, hängt vom Zeitpunkt der Ernte ab.

Grundsätzlich gilt: Saisonal ist wichtig. In den Sommermonaten sollte der Salat gegessen werden, der dann auch in unseren Breiten Saison hat. Dann stecken besonders viele Aromen und Vitamine drin.

 
Diese Salate kommen im Sommer erntefrisch auf den Tisch

Eisbergsalat: Wer es knackig mag, wird den Eisbergsalat lieben. Der ist besonders haltbar und reagiert im Gegensatz zu anderen Salaten weniger empfindlich auf Wärme oder Kälte. Am Buffet der Sommer-Party ist er daher der ideale Begleiter. Seine festen Blätter haben einen leicht nussigen Geschmack und passen gut zu einem kräftigen Dressing.

Kopfsalat: Der Kopfsalat fällt durch seine Konsistenz auf, die leicht an Butter erinnert. Daher nennt man ihn auch Buttersalat. Beliebt sind die sogenannten Herzen im Inneren des Kopfsalates, die zart und knackig sind. Die meisten Nährstoffe sind aber in den großen Blättern enthalten. Er ist der Klassiker unter den Salaten, lässt sich gut mit anderen Blattsalaten mischen und verleiht Sandwiches einen Frische-Kick.

Radicchio: Der Radicchio wird hauptsächlich in Italien angebaut. Im Sommer wächst der lila-rote Salatkopf aber auch bei uns und kann bis in den Herbst hinein geerntet werden. Das bittere Aroma ist eine Bereicherung für jede Salatschüssel – nicht nur optisch. Der Radicchio ist auch beliebt zu warmen Gerichten, zum Beispiel zu Pasta oder auf Burgern. Wem er zu bitter ist, schneidet einfach den Strunk und die dicken weißen Blattrippen heraus, in denen am meisten Bitterstoffe enthalten sind.

Romanasalat: Vor allem bekannt ist diese Sorte mit ihren nussigen Salatherzen wegen ihrer Verwendung im Caesar’s Salad. Die Blätter sind geeignet, um sie kurz zu dünsten oder mit kräftigem Käse auf einem frisch belegten Brot zu überbacken.

Rucola: Sein unverkennbares Aroma erhält der Rucola durch Senföle, die in seinen Blättern enthalten sind. Er ist vielseitig einsetzbar und schmeckt in kalten Salaten oder mit Tomaten auf einer Pizza. Zusammen mit süßem Obst ergibt der Rucola einen fruchtigen Smoothie. Kleine Blätter und zarte Stiele schmecken meist weniger bitter. Bedeckt mit einem feuchten Tuch bleibt der Rucola durchschnittlich ein bis zwei Tage frisch.

Endiviensalat: Ab dem Spätsommer und den ganzen Herbst hindurch ist die Endivie bereit. In den Blättern ist der Bitterstoff Lactucopikrin enthalten, der als verdauungsanregend wirkt und Appetit macht. Die Endivie ist daher hervorragend als Vorspeise geeignet. Außerdem steckt in diesem Salat besonders viel Beta-Carotin, das gut für Augen und Haut ist.

Doppelt gesund

Ein Grund mehr für Euren nächsten Sommer-Salat: Weitere leckere Zutaten sind erntefrisch in Eurer Ökokiste, mit denen Ihr Eure Salatschüsseln üppig füllen könnt. Von Fenchel und Frühlingszwiebel über Mais und Mangold bis Karotte und Kohlrabi sind viele saisonale Produkte aus biologischem Anbau erntereif. Das ist nicht nur gut für Euch, sondern auch für den Ökolandbau in Eurer Umgebung.

Mit Bio-Salaten aus Deiner Ökokiste landen jede Menge Nährstoffe und Vitamine auf Deinem Teller – und das ohne Pestizide. An unsere Salate kommen nur organische Dünger, die für langsames Wachstum sorgen. Unser Salat aus eigener Erzeugung bleibt durch seine kurzen Transportwege maximal frisch. Auf Deinem Teller landet ein wertvolles Stück Natur voller Aromen.

Das Runde ins Eckige: Hier wandert der frische Bio-Salat in die Ökokiste.

Bilder: Verband Ökokiste e.V. / Lotta Karotta Bio-Lieferservice

Bio-Spargel: Ackergold in weiß und grün

 
Saison

Wann genau die Stangen ihre Köpfe aus der Erde stecken, lässt sich nur schätzen. Denn die Erntezeit ist von der Beschaffenheit der Ackerböden abhängig, außerdem spielen Wetter und Temperatur eine Rolle. Spargel wächst unter sehr günstigen Bedingungen fast 0,75 cm pro Stunde, so sind bis zu 10 cm täglich möglich. Wenn Betriebe ihre Felder beheizen oder mit Folie abdecken, kann der Spargel schon im März gestochen werden. Den ersten unbeheizten Spargel aus der Region könnt Ihr erst einige Wochen später, ungefähr ab April, kaufen. Die Spargelsaison wird mit dem „Spargelsilvester“ beendet, Termin dafür ist traditionell der 24. Juni.

Aus Feld aufkeimender Spargel
 
Herkunft

Spargel wächst im gesamten Mittelmeerraum, aber in den südlichen Regionen der EU kann er wegen der wärmeren Umgebung häufig schon im Februar geerntet werden. Schon die alten Griechen und Römer schätzten den Spargel in der Antike. Später kam er zu besonderen Anlässen beim wohlhabenden Bürgertum und Adelsfamilien auf den Tisch.

Aussehen

Weißer Spargel wächst unter einem hohen Damm an aufgehäufter Erde heran, daher bleiben die langen Triebe blütenweiß. Grüner Spargel ist dem Sonnenlicht ausgesetzt, so bekommt er seine Farbe. Frischen Spargel erkennt Ihr an geschlossenen Spargelköpfen und der Schnittstelle, die am besten glatt und feucht ist. Drückt Ihr diese leicht zusammen, tritt bei frischen Stangen ein bisschen Flüssigkeit hervor. Außerdem quietschen sie beim Aneinanderreiben und sie lassen sich leicht mit dem Fingernagel einritzen.

Was drinsteckt

Spargel besteht zum Großteil aus Wasser und ist ein kalorienarmes Frühlingsgemüse. Trotzdem ist er reich an Inhaltsstoffen, wie zum Beispiel Kalium, das blutdrucksenkend wirkt, oder Kalzium, das wichtig für unsere Zähne und Knochen ist. Durch das enthaltene Vitamin A unterstützt der Spargel unsere Sehleistung und Vitamin E wirkt sich positiv auf das Nervensystem aus. Der relativ hohe Gehalt an Stickstoff fördert die Aktivität der Nieren und ist für die bekannte harntreibende Wirkung des Spargels verantwortlich.

Grüner Spargel enthält häufig noch mehr Nährstoffe. Welche der beiden Sorten nun aber gesünder ist, lässt sich nicht endgültig feststellen.

Spargel in Kiste
Gut zu wissen

An Bio-Spargel kommt natürlich keine Chemie, als Dünger kommen ausschließlich Kompost und Kleegras als Vorfrucht zum Einsatz. Um Unkraut auf dem Bio-Acker zu vermeiden, wird der Boden hier besonders oft angehäufelt und gehackt. Damit der Spargel keine unerwünschten Viren oder Pilzerkrankungen abbekommt, wachsen die einzelnen Pflanzen weiter entfernt voneinander als in der konventionellen Landwirtschaft. Das gilt übrigens auch für die Bio-Erdbeeren.

Tipps für die Küche

Um den herkömmlichen Spargel nach dem Kauf länger frisch zu halten, wickelt Ihr ihn am besten in ein feuchtes Tuch. Legt Ihr ihn so in das Gemüsefach Eures Kühlschranks, bleibt er bis zu drei Tage lang frisch. Grünen Spargel solltet Ihr etwas wärmer lagern und unbedingt aus einer Verpackung herausnehmen – falls er denn eine hatte. Die Köpfe sind nämlich äußerst empfindlich und brauchen Luft.

Wenn Ihr mal zu viel Spargel gekauft habt, kein Problem – die Stangen lassen sich einfrieren. Dazu vorher schälen und bei Bedarf direkt in das kochende Wasser legen.

Unsere Rezepte mit Spargel


Bilder: Verband Ökokiste e.V.

Ist Bio teuer?

Bio kostet mehr Geld, das ist klar. Warum das so ist und warum es wichtig ist, diesen Preisunterschied sehr differenziert zu betrachten, erläutert Heike Hoppe von der FairBio-Genossenschaft in einem Gastbeitrag. Ziel der Fair-Bio eG ist es, regionale und dezentrale Strukturen zu erhalten, zu stärken und zu fördern. Die Genossenschaft unterstützt hierfür zahlreiche Projekte und Initiativen. Sie hat sich im Sommer 2020 gegründet und nimmt seit Februar 2021 Mitglieder auf. Mitmachen können Privatpersonen, Bio-Fachhändler, -Landwirte, -Erzeuger und -Hersteller, die außerhalb von Konzernstrukturen agieren.

Gastbeitrag von Heike Hoppe, Fair-Bio eG

Streit um Lebensmittelpreise

Ausweg: nicht ‚billig oder teuer‘, sondern ‚richtig oder falsch‘

Landwirtschaftsminister Cem Özdemir sprach vor einiger Zeit in einem Interview von „Ramschpreisen für Lebensmittel“ – und erntete einen Shitstorm. Nicht nur vom politischen Gegner, sogar aus eigenen Reihen stieg ihm eine Welle der Empörung entgegen. Sofort unterstellte man ihm, er würde es darauf anlegen, mit Preissteigerungen einkommensschwache Haushalte noch weiter zu schwächen. Erstaunlich eigentlich, denn Özdemir hatte in dem Interview mit keiner Silbe erwähnt, was er gegen die „Ramschpreise“ zu tun gedenkt.

 

Heike Hoppe, Geschäftsführerin FairBio-Genossenschaft

Heike Hoppe engagiert sich als Geschäftsführerin der FairBio-Genossenschaft für faire Bedingungen und Preise durch die Stärkung regionaler und dezentraler Strukturen.

Weder forderte der Landwirtschaftsminister eine zu Lasten der Armen gehende Preissteigerung noch staatlich vorgeschriebene Lebensmittelpreise. In einem Interview mit dem RND einige Tage später ließ er durchblicken, wen er zur Bekämpfung der Ramschpreise in die Pflicht nehmen will, nämlich die Lebensmittelkonzerne und Supermarktketten.

Beim Stichwort Preiserhöhung gehen die Emotionen hoch. Das ist schlecht, denn dieses Framing – Lebensmittelpreise diskutieren heißt automatisch, „den Armen noch tiefer in die Tasche zu greifen“ – sorgt auf lange Sicht dafür, dass das Thema Lebensmittelpreise tabuisiert wird. Das darf es aber nicht. Wir müssen über Preise sprechen dürfen.

 
Ein Preis ist nicht „zu billig“, sondern „falsch“.

„Billig“ ist in Verbindung mit Lebensmitteln kein konstruktives Wort. Besser und zielführender ist es, vom „richtigen“ und vom „falschen“ Preis zu sprechen.

Der „richtige“ Preis ist ein Preis, der dafür sorgt, dass alle an der Wertschöpfungskette des Lebensmittels beteiligten Menschen und Unternehmen fair und angemessen bezahlt werden: Die Landwirte und Bäuerinnen, die Erntehelferinnen, die Spediteure, die Großhändler*innen, die Gemüsehändlerinnen und Supermärkte, die Kassiererinnen und viele andere, die mit der Erzeugung und Verarbeitung, dem Transport und Verkauf des Produkts ihr Geld verdienen. Aber mit dem „richtigen“ Preis muss noch mehr bezahlt werden. Nicht nur die Menschen und Unternehmen, sondern auch die ökologischen und klimatischen Rahmenbedingungen. Im richtigen Preis stecken auch viele Negationen: keine Überdüngung, kein Schaden für Böden, Natur und Umwelt, kein hoher CO2-Ausstoß, keine Massentierhaltung, keine Tierquälerei, kein Artensterben, kein Verpackungsmüll, keine Entsorgungsprobleme. Der richtige Preis ist gleichzeitig der faire Preis.

Beim „falschen“ Preis funktioniert irgendetwas entlang der Wertschöpfungskette nicht. Jemand wird zu schlecht bezahlt oder zahlt sogar drauf. Oder muss seinen Hof verkaufen und seinen Laden schließen. Oder das „Falsch“ geht zu Lasten von Umwelt und Klimaschutz oder sogar zu Lasten des Lebensmittels selbst, weil es eine schlechte Qualität hat oder krank macht.

Oft springt der falsche Preis auch Nichtfachleuten sofort ins Auge. Wenn ein Kilo Bananen unter einem Euro kostet und damit nur halb so teuer ist wie regionales Obst, wenn ein Kilo Schweinefleisch für 77 Cent verramscht wird – dann kann was nicht stimmen.

 
Was ist „richtig“ und was ist „falsch“?

Den richtigen vom falschen Preis unterscheiden – zu kompliziert für den Verbraucher? Einerseits kostet es viel Zeit, Arbeit und Fachwissen, die technischen, sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen eines Lebensmittels zu recherchieren. Andererseits ist der richtige Preis kein Geheimnis, er lässt sich transparent machen. Wieviel muss ein Liter Milch kosten, wenn die Kühe ein gutes Leben haben und die Landwirte fair bezahlt werden? Wieviel ein Ei, ein Kilo Kartoffeln, eine Kiste Bananen? Von wo nach wo ist was transportiert worden? Es ist nicht ganz einfach, aber man kann das ausrechnen. In vielen Fällen ist es schon ausgerechnet worden und irgendwo einsehbar: etwa auf den Internetseiten von Erzeugern und Produzentinnen, die sich dem „richtigen“, dem fairen Preis verpflichtet fühlen und denen es am Herzen liegt, ihn transparent zu machen.

Eine Abkürzung führt in den Bioladen oder zu Bio-Lieferdiensten

Verbraucher*innen, denen die Suche nach solchen Lebensmitteln zu kompliziert ist, können eine Abkürzung zum richtigen Preis nehmen. Sie können dort einkaufen, wo sie begründetes Vertrauen in die Vorauswahl haben, die eine Fachhändlerin oder ein Fachhändler für sie getroffen hat. Inhabergeführte Bioläden oder Bio-Lieferbetriebe bilden – mitten in unserem kapitalistisch geprägten Wirtschaftssystem – oft Nischen der Transparenz und der Fairness. Denn die meisten Inhaberinnen und Inhaber von Bioläden und -betrieben treibt mehr an als der Wunsch, Geld zu verdienen. Viele haben ihre ideellen Wurzeln in der Öko-Bewegung. Sie wollen dazu beitragen, dass unsere Welt zukunftsfähig bleibt. Sie helfen dabei, regionale und dezentrale Strukturen zu unterstützen, sie wollen anders wirtschaften als der ausschließlich profitorientierte Lebensmittelhandel.

Hundert Prozent Verlass auf den „richtigen“ Preis ist im Biohandel zwar nicht, aber die Wahrscheinlichkeit, dass dort im Preis auch die sozialen und ökologischen Kosten stecken, ist deutlich größer als in jedem Supermarkt. Und es lohnt sich, die Preise zu vergleichen: Besonders in der Saison hat Obst und Gemüse, das in der Region wächst und im Bioladen oder direkt vermarktet wird, häufig einen niedrigeren Preis als im Supermarkt. Auch sonst sind Produkte im Supermarkt nicht zwangsläufig billiger. Oft ist der Unterschied marginal. Es lohnt sich, genau hinzuschauen.

Falsch ist falsch und bleibt falsch

Die Frage ist nicht „wer soll das bezahlen?“ oder „wer kann sich das leisten?“. Denn der „falsche“ Preis ist unverhandelbar falsch. Wenn er zu Tierquälerei, Umweltverschmutzung, Kinderarbeit oder sozialer Ungerechtigkeit führt, muss er korrigiert werden. Solange ihn jemand zahlt – egal ob arm oder reich – ändert sich nichts. Die Konsequenz ist keinesfalls, dass „Arme“ kein Billigfleisch essen „dürfen“, sondern dass wir alle auf Billigfleisch verzichten MÜSSEN.

Das Eingangsschild eines Hofladens

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Heike Hoppe, Fair-Bio eG; 

Bilder: Verband Ökokiste e.V.

Wie Bio die Welt ernähren kann

Ein Gastbeitrag des Bündnisses für eine enkeltaugliche Landwirtschaft.

 

Europa erlebt derzeit den größten bewaffneten Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg. Neben der humanitären Katastrophe und den Sorgen um unsere Energieversorgung sind damit die Themen Lebensmittelpreise und Ernährungssicherheit auf erschreckende Weise in den Fokus gerückt. Vor allem die Vertreter*innen einer rückwärtsgewandten Agrarpolitik sowie Lobbyisten der Pestizid-Industrie wittern Morgenluft – reflexhaft fordern sie jetzt das Aussetzen der Maßnahmen hin zu einer nachhaltigeren Form der Landbewirtschaftung.

Die Ziele der europäischen Farm-to-Fork-Strategie jedoch zu verwässern oder deren Umsetzung auf die lange Bank zu schieben ist der falsche Weg. Zahlreiche wissenschaftliche Studien, Sachverständigen-Gutachten und Äußerungen europäischer Institutionen belegen mittlerweile, dass die nachhaltige, langfristige Ernährungssouveränität und -sicherheit nur mit einer Ökologisierung des Agrarmodells möglich ist.

Intensivierung kann kein Weg sein

Knapp acht Milliarden Menschen leben heute auf der Erde, im Jahre 2050, so die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO), werden es zehn Milliarden sein. Die zunehmende Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion kann, so die Wissenschaftler*innen, nicht die Lösung für die damit verbundene Ressourcen- und Ernährungsfrage sein. Um die Weltbevölkerung künftig ausreichend ernähren zu können, ist vielmehr eine drastische Veränderung unserer Konsumgewohnheiten notwendig.1

Zusätzlich muss die Art und Weise unserer Nahrungsmittelerzeugung verändert werden. Denn nur eine nachhaltige Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion kann gleichzeitig Lösungen liefern für die Herausforderungen der Klima- und der Biodiversitätskrise, des hohen Verbrauchs nicht erneuerbarer Ressourcen, der Belastung der Umwelt mit Agrochemikalien, aber auch der zunehmenden Unter- und Fehlernährung und deren gesundheitlichen Folgewirkungen.

Zusammengefasst: Wenn wir

  • weniger tierische Produkte konsumieren,
  • weniger Lebensmittel verschwenden
  • und unsere Nutztiere nicht mehr mit großen Mengen an Kraftfutter wie Getreide füttern,

ist eine weltweite Umstellung auf biologische Landwirtschaft die Lösung für ein nachhaltiges Ernährungssystem und die globale Ernährungssicherung. Zugleich werden die Artenvielfalt und unsere Umwelt vor chemisch-synthetischen Pestiziden geschützt.

 
Die Fakten im Detail
 
Kleinbäuerliche Strukturen spielen eine wichtige Rolle – schon jetzt

Vor über zehn Jahren hat der Weltagrarrat im Rahmen des Weltagrarberichts (initiiert von Weltbank und Vereinten Nationen sowie erarbeitet von über 400 Expert*innen aller Kontinente und Fachrichtungen) seine Kernbotschaft verkündet: Die Art und Weise, wie die Welt Nahrungsmittel produziert, müsse sich radikal ändern, da nur dadurch Armut und Hunger besiegt, eine wachsende Weltbevölkerung in Zeiten des Klimawandels ernährt und der soziale und ökologische Kollaps vermieden werden können 2.

Schon heute sind es nicht primär die großen Unternehmen der industrialisierten Landwirtschaft, die die Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln versorgen. Über 80 Prozent der Bauernhöfe weltweit sind kleiner als zwei Hektar, Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bewirtschaften mehr als die Hälfte der globalen Anbauflächen. Die meisten dieser Betriebe befinden sich in Asien und Afrika und sichern dort die lokale und regionale Versorgung.

Allerdings, so der Weltagrarbericht, liegt in den kleinbäuerlichen Strukturen zugleich noch viel ungenutztes Potential. Verbesserte Anbaumethoden, lokal vorhandene und angepasste Technologien, standortangepasstes Saatgut und eine Vielzahl agrarökologischer Strategien bergen, so der Bericht, ein enormes Produktivitäts- und Nachhaltigkeitspotenzial.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern stellen zudem am ehesten sicher, dass Lebensmittel tatsächlich dort produziert werden, wo sie auch gebraucht werden. Wenn diese Familienbetriebe mehr ernten, besser vermarkten und verkaufen können, verringert das nicht nur die Armut in ländlichen Regionen, sondern es kommen insgesamt mehr und vielfältigere Lebensmittel auf den Markt – ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Welternährung 2 .

Es sind vor allem die kleinbäuerlichen, arbeitsintensiveren und auf Vielfalt ausgerichteten Strukturen, die künftig Grundlage für eine sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltige Lebensmittelversorgung sind. Ihre Potenziale müssen gestärkt werden.

 

 
Unsere Zukunft – Hunger oder Übergewicht?

Wenn sich die derzeitigen Ernährungstrends fortsetzen, werden Unter- und Überernährung die menschliche Gesundheit weltweit stark belasten, während Lebensmittelverschwendung und die Belastung der Umwelt weiter zunehmen. Das ist die Prognose einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Die Wissenschaftler*innen betonen, dass, vorausgesetzt die Ernährungsweise bleibt unverändert, wir das Ziel der Vereinten Nationen, den Hunger weltweit zu besiegen, nicht erreichen werden. Gleichzeitig könnten im Jahr 2050 schon mehr als vier Milliarden Menschen übergewichtig sein.3

Eine umfangreiche, internationale Forschungsarbeit von Wissenschaftler*innen aus den Bereichen Gesundheit, Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Politik und Landwirtschaft unterstreicht die Wichtigkeit einer sogenannten planetary health diet, die die natürlichen Grenzen des Planeten berücksichtigt und Krankheiten wie Herzinfarkte und Diabetes, die durch falsche Ernährung gefördert werden, vorbeugt.4

Die geforderte „planetare Gesundheitsernährung“ sieht vor, dass sich der weltweite Konsum von Lebensmitteln, wie rotem Fleisch und Zucker, halbiert, während doppelt so viel Nüsse, Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte auf den Teller kommen sollen.

Eine Umstellung auf einen Speiseplan mit weniger tierischem Eiweiß und eine abwechslungsreiche pflanzliche Kost bringt die Welt dem Ziel einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion näher.

 

Verschiedenes Obst und Gemüse mit Ökokiste im Hintergrund
 
Wachsender Flächenverbrauch und das Klima

Bereits jetzt bedecken Acker- und Weideland rund ein Drittel der globalen Landfläche 5 und unser Ernährungssystem ist für rund ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich.6 Halten die aktuellen Trends an, wird laut Analyse der Wissenschaftler*innen die weltweite Nachfrage nach Nahrungsmitteln, und besonders nach tierischen Produkten wie Fleisch und Milch weiter steigen. Dies würde immer mehr Land zur Sicherung unserer Ernährung erfordern mit sich verschärfenden Folgen für das Klima.

In einer umfangreichen Studie haben Wissenschaftler*innen des Forschungsinstituts für biologischen Landbau7 analysiert, dass, um den weltweiten Kalorienbedarf im Jahr 2050 stillen zu können, bei gleichbleibenden Konsum- und Ernährungsgewohnheiten (hoher Konsum tierischer Lebensmittel, große Mengen an Lebensmittelabfällen/ Lebensmittelverschwendung) stets noch mehr Land benötigt wird – unabhängig davon, ob die Flächen konventionell oder biologisch bewirtschaftet werden. Dazu kommt, dass durch den Klimawandel und den damit verbundenen extremen Wettereignissen, wie Starkregen und Dürreperioden, zukünftig nicht einfach von weiteren Ertragssteigerungen ausgegangen werden kann. Das heißt, es müsste zusätzlich Land gewonnen werden durch Rodung von (Regen-)Wäldern bzw. durch Umwandlung von Grasland – mit all den bekannten negativen Auswirkungen auf Umwelt und Klima.

Die Steigerung der Produktion ist langfristig keine Lösung, da diese bereits ausgereizt ist. Die Konsum- und Ernährungsgewohnheiten der Menschen müssen sich grundlegend ändern, um die Ernährungssicherung dauerhaft gewährleisten zu können.

 

Wichtige Maßnahmen sind:
 
  1. Fleisch in Maßen statt in Massen

Die derzeitige Fleischproduktion liegt weltweit bereits bei rund 330 Millionen Tonnen pro Jahr und soll laut Prognosen bis 2050 auf rund 450 Millionen Tonnen jährlich weiter steigen.

Vom weltweit geernteten Getreide wird mittlerweile mehr als die Hälfte an Tiere verfüttert und in Autos getankt. Auch von der Sojaernte landet der Großteil in den Futtertrögen der landwirtschaftlichen Nutztiere 5, 8. Rund drei Viertel der weltweiten Agrarfläche wird heute zur Herstellung tierischer Lebensmittel benötigt und mit jedem Jahr wächst die Ackerfläche für den Futtermittelanbau. Die Nutztiere werden dadurch immer mehr zum Nahrungskonkurrenten von uns Menschen.8

Im Rahmen einer Masterarbeit wurde berechnet 9, dass bei einer Reduktion des weltweiten Fleischverzehrs um 50 Prozent, von derzeit durchschnittlich 40 Kilogramm pro Kopf und Jahr auf 20 Kilogramm, jährlich pro Person 62 Kilogramm Getreide und Eiweißfrüchte zusätzlich zur Verfügung stehen würden. Durch eine Reduzierung des jährlichen Fleischkonsums auf 32,5 Kilogramm (Schlachtgewicht, inkl. Knochen und Sehnen) – in etwa jene Menge, die laut Ernährungswissenschaftler*innen nicht überschritten werden sollte – wären es 23 Kilogramm Getreide zusätzlich. In diesen Berechnungen wird der durch den geringeren Fleischkonsum steigende Verzehr an pflanzlichen Lebensmitteln bereits berücksichtigt.

Bei einer Halbierung des weltweiten Fleischkonsums und gleichzeitiger globaler Umstellung auf biologische Landwirtschaft wäre die weltweite Ernährung in ausreichendem Maß gesichert.

 

  1. Kein Kraftfutter in der Nutztierhaltung („Feed no Food“)

Bei der Umwandlung von pflanzlichem Futter-Protein in tierisches Protein entstehen erhebliche Veredelungsverluste. Zur Produktion einer tierischen Kalorie werden je nach Tierart bis zu 10 pflanzliche Kalorien verfüttert.

Die Studienautor*innen des Forschungsinstituts für biologischen Landbau betonen, dass Nutztiere kein Futter mehr bekommen sollten, das dem Menschen als Nahrung dienen könnte 7. Weizen und Soja würden dann direkt gegessen und nicht zuvor an Tiere verfüttert. Statt hohen Kraftfuttergaben sollen Tiere Gras (Wiederkäuer) und Abfallprodukte der Lebensmittelproduktion (Schweine und Geflügel) fressen. Kraftfutterfreie, graslandbasierte Nutztierfütterung hat den Vorteil, dass Grasland, das nicht für den Anbau von Ackerkulturen geeignet ist, von Wiederkäuern beweidet wird. Die auf diese Weise produzierten tierischen Produkte stehen nicht in Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion und tragen dennoch zur Ernährungssicherung bei.7

  1. Lebensmittelverschwendung beenden

Bereits im Jahr 2011 präsentierte die FAO erschreckende Zahlen: Laut Schätzungen wurden weltweit rund 1,3 Milliarden Tonnen bzw. ein Drittel aller produzierten Lebensmittel pro Jahr weggeworfen bzw. gingen entlang der Wertschöpfungskette verloren (Daten zu Lebensmittelverlusten in privaten Haushalten außerhalb Europas und Nordamerikas sind derzeit nicht belegbar und werden wahrscheinlich noch unterschätzt). Auch wenn die Sensibilisierung für dieses Thema gewachsen ist – geändert hat sich seitdem wenig.

Aktuelle Schätzungen des sogenannten Food Loss Index besagen, dass auf dem Weg von der Ernte bis zum Handel (diesen aber nicht eingerechnet) weltweit rund 14 Prozent aller Lebensmittel verloren gehen. Und laut eines aktuellen Berichts der Vereinten Nationen 10, der Lebensmittelverluste in den Bereichen Privathaushalte, Gastronomie und Supermärkte untersucht hat, wurden im Jahr 2019 weltweit rund 931 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen bzw. gingen verloren. Das sind 17 Prozent aller konsumfertiger Lebensmittel und entspricht etwa 120 Kilogramm an genießbaren Lebensmitteln, die pro Person und Jahr verloren gehen. Den größten Anteil an dieser Verschwendung haben Privathaushalte, erst dann folgen Gastronomie und Supermärkte.

Diese Millionen Tonnen an produzierten und nicht konsumierten Nahrungsmitteln könnten einen ganz wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung des Welthungers leisten. Zudem verbraucht ihr Anbau große Mengen an unterschiedlichsten Ressourcen bzw. Betriebsmitteln: Boden, Wasser, Düngemittel, Pestizide. Ihre Produktion ist mit hohen Treibhausgasemissionen verbunden – es wird geschätzt, dass rund 10 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen durch die Produktion von Lebensmitteln entstehen, die schließlich nicht gegessen werden (Zahlen aus Österreich).11, 12, 13, 14, 15

Weniger Lebensmittelverschwendung ist ein wichtiger Beitrag zur weltweiten Ernährungssicherung. Würden Lebensmittelverluste und -verschwendung reduziert, könnten die freiwerdenden Flächen dafür genutzt werden, einen großen Teil der Ertragslücke auszugleichen.7

 

Fazit: Die komplette Umstellung auf Bio ist möglich

In Kombination mit den genannten Maßnahmen kann der Biolandbau auch bei einer Weltbevölkerung von 10 Milliarden im Jahr 2050 eine wichtige Rolle in einem nachhaltigen Ernährungssystem spielen.7 Diese ökologische Transformation würde zugleich bedeuten, dass weder der Landverbrauch steigen müsste, noch die mit dem heutigen Ernährungssystem verbundenen negativen Auswirkungen – hohe Treibhausgasemissionen, Stickstoffüberschüsse und hohe Pestizidbelastung – zunehmen würden.

Die biologische Landwirtschaft steht global für eine nachhaltige Bewirtschaftung und Lebensmittelproduktion. Eine ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Bio-Lebensmittelproduktion, gekoppelt mit der Änderung unserer Konsumgewohnheiten, ist also wesentlicher Baustein für die Lösung vieler Herausforderungen.1, 16, 17, 18

Quellenangaben:

1 Löwenstein, F. (2011): Food Crash – Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr, Pattloch, München.

2 Zukunftsstiftung Landwirtschaft (Hrsg.) (2013): Wege aus der Hungerkrise. Die Erkenntnisse und Folgen des Weltagrarberichts: Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen. Berlin. Abrufbar unter: https://www.weltagrarbericht.de/fileadmin/files/weltagrarbericht/Neuauflage/WegeausderHungerkrise_klein.pdf  Zuletzt abgerufen am 10.05.2022.

3 Bodirsky, B. L. et al. (2020): The ongoing nutrition transition thwarts long‑term targets for food security, public health and environmental protection. Scientific Reports, 10, 19778. https://doi.org/10.1038/s41598-020-75213-3

4 Willett W, Rockström J, Loken B, et al. (2019): Food in the Anthropocene: the EAT –Lancet Commission on healthy diets from sustainable food systems. The Lancet Commissions, 393, 10170. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31788-4

5 Umweltbundesamt (Hrsg.) (2012): Globale Landflächen und Biomasse nachhaltig und ressourcenschonend nutzen. Dessau-Roßlau.

6 IPCC (Hrsg.) (2019): Climate Change and Land: an IPCC special report on climate change, desertification, land degradation, sustainable land management, food security, and greenhouse gas fluxes in terrestrial ecosystems [P.R. Shukla, J. Skea, E. Calvo Buendia, V. Masson-Delmotte, H.-O. Pörtner, D. C. Roberts, P. Zhai, R. Slade, S. Connors, R. van Diemen, M. Ferrat, E. Haughey, S. Luz, S. Neogi, M. Pathak, J. Petzold, J. Portugal Pereira, P. Vyas, E. Huntley, K. Kissick, M. Belkacemi, J. Malley. In Druck.  

7 Müller, A.; Schader, C.; El-Hage Scialabba, N et. Al. (2017): Strategies for feeding the world more sustainably with organic agriculture. Nature Communications, 8, 1290. https://doi.org/10.1038/s41467-017-01410-w

8 Heinrich Böll Stiftung et al. (2018): Fleischatlas 2018. Daten und Fakten zu Tieren als Nahrungsmittel. Abrufbar unter: https://www.boell.de/sites/default/files/2019-10/fleischatlas_2018_V.pdf . Zuletzt abgerufen am 10.05.2022.

9 Seibold, B. (2012): Potentiale der biologischen Landwirtschaft zur Welternährung unter besonderer Berücksichtigung eines reduzierten Fleischkonsums in den Industrieländern. Universität für Bodenkultur [unveröffentlicht].

10 United Nations Environment Programme (Hrsg.) (2021). Food Waste Index Report 2021. Nairobi.

11 FAO (2013): Food wastage footprint. Impacts on natural resources. Summary report. Abrufbar unter: https://www.fao.org/3/i3347e/i3347e.pdf. Zuletzt abgerufen am 10.05.2022.

12 FAO (2014): Food wastage footprint. Full-cost accounting. Final report. Abrufbar unter: https://www.fao.org/3/i3991e/i3991e.pdf . Zuletzt abgerufen am 10.05.2022.

13 FAO (2019): The State of Food and Agriculture 2019. Moving forward on food loss and waste reduction. Rome. Licence: CC BY-NC-SA 3.0 IGO. Abrufbar unter: https://www.fao.org/3/ca6030en/ca6030en.pdf. Zuletzt abgerufen am 10.05.2022.

14 FAO (2020): Food Outlook. Bioannual report on global food markets. Food Outlook, 1. Rome. https://doi.org/10.4060/ca9509en 

15 Schneider, F. et al. (2012): Sekundärstudie Lebensmittelabfälle in Österreich. Institut für Abfallwirtschaft, Universität für Bodenkultur.

16 Badgley, C. (2007): Organic agriculture and the global food supply. Renewable Agriculture and Food Systems, Volume 22, pp 86-108. doi:10.1017/S1742170507001640

17 Schlatzer, M. und Lindenthal, T. (2019): Bio, gesund und leistbar – geht das? Auswirkungen eines geänderten Einkaufverhaltens auf Kosten und Klimawandel. FiBL im Auftrag von WWF Österreich. Abrufbar unter: https://www.wwf.at/wp-content/cms_documents/warenkorbstudie_final_-januar-2019.pdf . Abg

18 Eyhorn, F. et al. (2019): Sustainability in global agriculture driven by organic farming. Nature Sustainability, Vol 2, 253–255. https://doi.org/10.1038/s41893-019-0266-6

 Weitere Quellen:

Europäische Kommission, Generaldirektion Umwelt (2012), Preparatory study on food waste across EU 27 : final report, Publications Office, https://data.europa.eu/doi/10.2779/85947

Muller, A., Schader, C., El-Hage Scialabba, N. et al. (2017). Strategies for feeding the world more sustainably with organic agriculture. Nature Communications, 8, 1290. https://doi.org/10.1038/s41467-017-01410-w

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung des BEL – Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft e.V. / Bilder: Ökokiste e.V.

Eier: Alles Bio oder was?

Auf dem Weg zu einer ethischen Geflügelhaltung.

 

Fleisch oder Eier – in der aktuellen Geflügelzucht konzentriert man sich entweder auf das eine oder das andere. Es gibt in der weitgehend monopolisierten weltweiten Zucht Masttier-Rassen, die leicht und viel Fleisch aufbauen, jedoch nur wenige Eier legen. Sowie Legehennen-Rassen, die auf Eierproduktion ausgerichtet sind und so gut wie kein Fleisch ausbilden.

Da männliche Legehennen-Küken weder Fleisch noch Eier liefern, wurden sie lange Zeit getötet, nachdem sie aus dem Ei geschlüpft waren, wortwörtlich „geschreddert“. Mit dem zum 1. Januar 2022 wirksamen Gesetzesbeschluss des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zum Verbot des Kükentötens hat dieses massenhafte unethische Kükenschreddern glücklicherweise ein Ende. Letztlich packt aber auch diese Maßnahme das Problem nicht bei der Wurzel. Es bedeutet nicht, dass ein grundsätzliches Umdenken in der Geflügelhaltung stattfindet: Die männlichen Embryonen werden aktuell lediglich früher erkannt mittels „In-ovo-Geschlechtsbestimmung“ und entsprechend aussortiert.  

Kopf von Huhn

Das Ökohuhn von morgen: Die Initiative ÖTZ von Bioland und Demeter hat sich der ökologischen Tierzucht verschrieben.

Die Bruderhahn-Initiative steuert dagegen, indem sie die Aufzucht der Hähne über einen höheren Eierpreis finanziert. Das ist ein guter Ansatz, er löst jedoch nicht das strukturelle Problem, um das es sich in der Geflügelhaltung handelt.

Denn: Die Rassen der großen Konzerne sind nicht an biologische Haltungsbedingungen angepasst, was Futter, Auslauf und Herdenhaltung betrifft. Benötigt werden Tiere, die sich für die Eier- wie auch für die Fleischproduktion eignen. Mit diesem Ziel haben Demeter und Bioland 2015 die Ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ) gegründet. Die Bio-Hühner der Zukunft sind Zweinutzungsrassen, die konzernunabhängig wirtschaftlich gehalten werden können: ohne Geschlechtsbestimmung im Ei, ohne Käfighaltung und mit Hahnaufzucht, weil die Bruderhähne als Masttiere aufgezogen werden können.

Am Hofbauernhof und vielen weiteren Ökokistenbetrieben picken und scharren bereits Hennen und Hähne aus ÖTZ-Züchtung.

Auf Bio eingestellt

Die ÖTZ hat bereits einige Erfolge erzielt, wie etwa die Eigenzüchtung Coffee and Cream – eine Zweinutzungsrasse, die optimal an biologische Haltungsbedingungen angepasst ist. In ihrer Eierlegeleistung und im Fleischansatz sind sie ausgeglichen. Das hält die Tiere gesund, sodass eine vollständige Bio-Fütterung möglich ist. Die meisten Züchtungen am Markt brauchen hingegen vorgegebene Futtermischungen mit viel Soja.

Die ökologische Tierzucht ist zeitaufwändig und kostenintensiv. Daher unterstützen viele Ökokistenbetriebe die ÖTZ mit der Aktion „1 Cent pro Ei“, bei der pro verkauftem Ei ein Cent an die Initiative geht. Einige Betriebe halten zudem bereits ÖTZ-Züchtungen. Wie Roland Lübbertsmeier vom Hofbauernhof, der eine Herde in einem mobilen Hühnerstall hält. “Die Zweinutzungshühner legen weniger Eier und brauchen mehr Aufmerksamkeit. Dafür sind sie genügsamer und kommen gut mit regionalen Futterkomponenten zurecht.“

Die aufwändigere Haltung schlägt sich auch im Preis nieder, selbstverständlich müssen diese Eier mehr kosten, damit wirtschaftlich gearbeitet werden kann. Das spiegelt aber nur die echten Kosten wider – und erzeugt somit vielleicht auch eine größere Wertschätzung von Eiern: weg von der Massenware, hin zum wertvollen Lebensmittel, das wesensgemäß erzeugt wurde.

Bilder: Hofbauernhof / Ökokiste e.V.

Profi-Tipps fürs Bio-Gärtnern

Es geht wieder los, die ersten Sonnenstrahlen zeigen sich und damit fällt der offizielle Startschuss ins Gartenjahr. Ins Bio-Gartenjahr, versteht sich. Denn auch zu Hause im heimischen Garten, im Gemeinschafts- oder Kleingarten und sogar im ganz kleinen Maßstab auf dem Balkon kann nach ökologischen Grundsätzen gegärtnert werden.

Heiner Hannen vom Lammertzhof in Kaarst erklärt: „Wir Bio-Landwirte verzichten auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Eine pflanzengerechte Standortwahl, abwechslungsreiche Anbauplanungen und der Einsatz von Nützlingen bilden die Basis des ökologischen Pflanzenschutzes. Außerdem verwenden wir widerstandsfähige, an den Standort angepasste Pflanzen. Das erhält die regionale Vielfalt und schützt bedrohte Arten. So erwachsen ökologische Flächen zu vielfältigen Biotopen.“

Feld mit roten und grünem Salat

Bodengesundheit, Vielfalt, Standortwahl – wichtige Grundsätze im Ökolandbau.

Wir geben euch einige ganz praktische Tipps von den Ökokisten-Profis, mit denen ihr auch euer Fleckchen Erde ein Stück ökologischer gestalten könnt.

Natürlich düngen

Eins ist klar, im Ökolandbau – ob im großen Stil oder im ganz kleinen – sind Mineraldünger tabu. Stattdessen stellt man lieber seinen eigenen Dünger her, etwa indem man Küchen- und Gartenabfälle kompostiert. Mit dem zeitweisen Anbau von Leguminosen wie Kleegras oder Luzerne führt man dem Boden auf natürliche Weise Stickstoff zu.

Johannes Kaufmann, Geschäftsführer bei der Ökokiste Kößnach, und seit Jahren Öko-Hobby-Gärtner, verrät sein Profi-Know-how: „Ein Geheimtipp unter den natürlichen Düngemitteln sind Schafwollpellets. Schafwolle, häufig ein Abfallprodukt, wird zu Pellets gepresst, die als Langzeitdünger 5-6 Monate wirken. So muss ich nur einmal pro Saison düngen! Die Pellets sind für alle Pflanzenarten geeignet, speichern sehr viel Wasser und sorgen für eine Auflockerung des Bodens sowie eine Verbesserung des Bodenlebens. Da viele Schafe zur Landschaftspflege eingesetzt werden und so oder so Wolle anfällt, kann damit eine bereits vorhandene Ressource sinnvoll verwendet werden. Das finde ich daran am besten!“

Johannes Kaufmann, Geschäftsführer bei der Ökokiste Kößnach kümmert sich auch in seiner Freizeit mit Hingabe um seinen Bio-Garten.

Bio-Saatgut und Bio-Pflanzen verwenden

Achtet bereits beim Saatgut- und Pflanzenkauf auf die Bio-Zertifizierung. Dabei müssen es nicht immer die Standard-Sorten sein: Gerade im eigenen Bio-Anbau lohnt es sich, auch mal alte und seltene Sorten anzupflanzen und so die Diversität zu fördern. Viele Ökokisten-Betriebe bieten im Frühjahr Setzlinge, Pflänzchen und Saatgut an – schaut doch mal nach.

Die Standortwahl spielt zudem eine wichtige Rolle. Stimmen Licht, Feuchtigkeit und Bodengegebenheiten, wird die Pflanze robust gegen Krankheiten.

Bodenleben und Humusgehalt fördern

Für ein ausgeglichenes Bodenklima und Nährstoffe in der Erde sollte man ganzjährig die Bodenoberfläche abdecken – „mulchen“, wie es in der Fachsprache heißt. Dazu eignet sich etwa Stroh, Laub oder Ähnliches. Johannes Kaufmann hat hier sein eigenes Rezept: „Ich mulche meine Gemüsepflanzen immer mit Rasenschnitt. Den braucht man nur gut trocknen oder man gießt ihn mit effektiven Mikroorganismen, das reduziert die Schimmelbildung. Danach einfach locker auf der Erde um die Pflanzen verteilen. Der Rasenschnitt verringert die Verdunstung, bringt Stickstoff in die Erde ein und verringert das Beikrautwachstum. Weniger gießen, weniger Unkraut jäten – das freut doch jede*n Hobbygärtner*in!“

Außerdem: Bei der Bodenbearbeitung immer schonend vorgehen, nie den zu nassen Boden grubbern.

Torf gehört im Übrigen ins Moor und nicht in den Garten. Hier verwendet ihr besser Komposterde und andere torffreie Kultursubstrate. Beim Erde-Kauf lohnt sich ein Blick auf die Verpackung, ob auch wirklich kein Torf enthalten ist. So schützt ihr Moorlandschaften und das Klima.

Die Ernte: verdienter Lohn für den/die Bio-Gärtner*in

Vielfältig anbauen

Durch Anbaufolgen und eine bunte Mischkultur haltet ihr den Nährstoffgehalt im Boden ausgewogen. Und wie überall gibt es auch bei Pflanzen gute und weniger geeignete Nachbarn.

Nützlinge fördern

Schädlinge hält man am besten mit Nützlingen im Zaum, deshalb sollte man ihre Anwesenheit im Bio-Garten unterstützen, etwa durch Nisthilfen, Winterquartiere und vor allem den Anbau vieler verschiedener heimischer Pflanzenarten. Pflanzen mit ungefüllten Blüten liefern Nektar für bestäubende Wildbienen und andere Insekten. So wie die Profi-Bio-Gärtner*innen Blühstreifen zwischen die Kulturpflanzungen einplanen, könnt ihr auch als Hobby-Gärtner kleine Bienenparadiese schaffen.

Ein simpler, aber wirkungsvoller Tipp: Zur Gießkanne greift ihr am besten morgens. Zumindest nicht am Abend, denn das ist eine Einladung für alle Nacktschnecken zum Buffet. Schädlingsbekämpfung der einfachsten Art.

Klein anfangen, Erfahrungen sammeln!

Auch wenn am Beginn des Gartenjahrs die Euphorie groß ist, empfiehlt es sich doch, klein anzufangen und zu schauen, was sich bewährt. Karin Bauer von der Ökokiste Kößnach rät zu einer guten Portion realistischer Planung: „Meistens lohnt ein kurzer Moment des Nachdenkens bei der Planung. Oft wird zu viel eingepflanzt und ‘zu groß’ gestartet. Wer schon einmal eine Zucchinipflanze im Garten hatte, kennt das: Der Ertrag einer Pflanze reicht quasi für die ganze Nachbarschaft, was also, wenn man zwei gepflanzt hat? Mein Tipp daher: lieber mit kleinen Mengen starten! Das verhindert, dass auf einmal zu viel Ernte anfällt. Außerdem schafft man so Spielraum, auch einmal Einzelpflanzen oder besondere Samen zu testen. Dann kann man mit Spannung beobachten, welche Sorten im eigenen Beet gut klarkommen – und welche eben auch nicht.“

Öko-Boden: Da ist Leben drin!

Das eigentliche Kapital des Ökobauern ist sein Boden. Ihn gilt es zu hegen und zu pflegen, um die Nährstoffe zurückzugeben, die man ihm durch den Anbau von Marktfrüchten und Kulturpflanzen entnimmt. Es gehört zu den Grundlagen des Ökolandbaus, den Boden als eigenen Organismus zu betrachten. Wir haben Andreas Backfisch, Inhaber des Ökokistenbetriebes Lotta Karotta und Gärtner bei der zugehörigen Gärtnerei aufs Feld begleitet und uns den Tatsachen des Bodens gestellt. 

Mann mit Schaufel und Kisten auf Feld

Andreas Backfisch ist Ökobauer, Gärtner und Mit-Inhaber der Ökokiste Lotta Karotta in Gleichen bei Göttingen.

Wieviel Leben in dem Boden, auf dem wir stehen, wirklich steckt, zeigt eine einfache Gleichung aus dem Biolandbau: In der Regel ernährt ein Hektar Land zwei Kühe, die darauf grasen. Diese beiden Kühe wiegen zusammen etwa 1.400 Kilogramm. Was man nicht sieht: Unter ihnen, im Boden, befindet sich ungefähr die gleiche Masse tierischen Lebens. „Der Boden ist ein eigener Organismus, kein Trägerstoff, aus dem man man rausholt, was geht, sondern eine Welt für sich. Ihn zu erhalten und zu pflegen, ist eine unserer essenziellen Aufgaben als Biobauern“, so Andreas Backfisch.

Guter Boden ist fruchtbar

Spricht man im Bioanbau von „gutem“ Boden, so meint man einen fruchtbaren Boden, der reichlich Wasser aufnehmen und die Pflanzen auch über längere Zeiträume mit Nährstoffen versorgen kann. Ist die Bodenfruchtbarkeit hoch, steigt auch die Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten – wie etwa bei der Wasserknappheit der letzten Jahre. Ein gesunder Boden setzt dem eine höhere Nährstoffdichte und Wasserspeicherkapazit entgegen als ein ausgelaugter Acker. Auf einem gesunden Boden wachsen gesunde Pflanzen. Deshalb ist Bodenfruchtbarkeit eines der wichtigsten Anliegen im Biolandbau.

Wurzel-Check: Leguminosen wie das Kleegras binden mithilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft. Die Bakterien erzeugen in manchen Wurzelbereichen kleine Knöllchen.

Wellness für den Bio-Acker

Ökologische Bodenpflege beruht auf dem alten Prinzip von Geben und Nehmen. „Was wir dem Boden durch den Anbau unserer Früchte an Nährstoffen entnehmen, geben wir ihm wieder zurück. Wir ernähren nicht die Pflanze an sich, sondern den Boden, auf dem sie gedeiht und dem sie ihre Nährstoffe entnimmt.“ Das funktioniert vor allem über Fruchtfolgen, bei denen sich humusaufbauende und -zehrende Jahre die Waage halten.

Aufbauend wirken so genannte Leguminosen, etwa Luzerne oder Kleegras. Diese Tiefwurzler sind quasi die Aufbaukur für den Boden: Sie binden den Luftstickstoff und bauen ihn in den Boden ein, schließen Bodenphosphate auf, die so für andere Pflanzen leichter verfügbar sind, und schaffen durch ihre langen Wurzeln eine Verbindung in tiefere Bodenschichten. „Die dicken Wurzeln werden mit der Zeit hohl und bilden ein regelrechtes Wasser-Abführsystem in die Tiefe. Außerdem bringen sie Nährstoffe aus den tiefen Schichten nach oben. Das ist die Verbindung des fruchtbaren Oberbodens in die Tiefe hinein“, erklärt Andreas Backfisch. „Bei uns im Gemüseanbau haben wir momentan einen Sechsjahresrhythmus, jeweils drei Jahre Leguminosen, dann wieder drei Jahre verschiedene Gemüsesorten. Wie man da genau vorgeht, ist von Biobauer zu Biobauer sehr individuell, das hängt auch von den angebauten Früchten ab. Manche Sorten brauchen fünf bis sechs Jahre andere Früchte, bis sie erneut am selben Standort gesund angebaut werden können.“

Humusreiche Böden als Ziel

Im besten Falle hat sich am Ende eines Fruchtfolgezyklus der Humusgehalt vergrößert. Andreas Backfisch hat es sich zum Ziel gesetzt, am Ende eines Fruchtfolgezyklus mehr Humus im Boden haben als vorher. Denn mehr Humus heißt: mehr Nährstoffe und mehr Wasseraufnahme.

Gern gesehener Gast im Ökolandbau: der Regenwurm

Und selbstverständlich mehr CO2-Bindung. Das Thema spielt gerade bei Lieferbetrieben wie den Ökokistlern eine wichtige Rolle. Andreas Backfisch etwa sieht in einem vermehrten Humusaufbau die Chance, innerbetrieblich verursachte CO2-Emissionen zu kompensieren.

Gern gesehen: Der Regenwurm

Bei der Bodenpflege gibt es einen wichtigen Verbündeten, den Regenwurm. Er steht sinnbildlich für einen fruchtbaren Boden. Leben auf einem Acker ausreichend Regenwurm-Populationen, graben sie ihn im Laufe eines Jahres einmal komplett um. Und nicht nur das: Regenwürmer schaffen eine wichtige Verbindung aus Mineralischem und Organischem, indem sie beides fressen und wieder ausscheiden. Regenwurmkot ist unbezahlbar für einen Bio-Acker, weil er sehr regenstabil ist und dabei viel Wasser aufnimmt. Sind viele Regenwürmer da, geht es dem Boden gut. Backfisch: „Wirklich fruchtbar wird dein Boden nur, wenn du es schaffst, genügend Regenwürmer zu etablieren.“

Die Mühe wert

Bodenpflege ist viel Arbeit und erfordert jede Menge Expertise. Aber sie ist unumgänglich für einen nachhaltigen Anbau. Herbizide, Pestizide, aber auch Kunstdünger greifen massiv in die symbiotische Boden-Pflanzen-Beziehung ein. Chemische Schädlingsbekämpfungsmittel sorgen dafür, dass die Kulturpflanze stehen bleibt, alles andere töten sie ab. Die Diversität verarmt, im Boden und darauf. Mit Kunstdüngern versucht man, die Bodenpflege, das Geben und Nehmen, schlicht zu umgehen: Die Pflanzen können Nährsalze aufnehmen, ohne ihre Wurzeln in der Erde danach „strecken“ zu müssen – letztlich geht das sogar in Substraten wie Steinwolle oder Kokosmatten. Mit ernüchterndem Ergebnis: Die Pflanze wächst zwar sehr viel schneller, allerdings lagert sie vor allem Wasser ein – erkennbar an Geschmack und Textur der Frucht. Der Ertrag steigt, doch die Qualität verarmt. Ganz zu schweigen von der Diversität bei Pflanzen, Tieren und Organismen.

Bilder: Ökokiste e.V.